Rehwildbejagung? Natürlich!                                               Aber waidgerecht und mit Vernunft!

Das Rehwild, für manche Jäger der „Rothirsch des kleinen Mannes“, für viele Förster der „rotbraune Baumfresser“, polarisiert. Es ist die kleinste einheimische Hirschart, die flächendeckend in Europa verbreitet ist. Aus dem ursprünglichen Bewohner buschreicher Offenlandschaften wurde durch den Eingriff des Menschen in die Natur ein Waldtier. Und hier prallen nun die unterschiedlichen Vorstellungen und Ideologien aufeinander.

Klimawandel, Erderwärmung, Waldumbau – Schlagwörter der durch den Menschen gemachten Veränderungen unserer Umwelt, für die auch das Rehwild die Zeche zahlen muss. Vieles hat sich in der Jagd, aber auch beim Rehwild in den letzten Jahrzehnten geändert.Hatte unser Wild in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch reichlich Möglichkeiten, sich in ruhige Einstände zurückzuziehen, wird heute das „Wohnzimmer“ unseres Wildes von nicht immer verantwortungsbewussten Naturhungrigen als Sport- und Freizeitarena beansprucht. 

Dies führt zu ständigen Störungen während des gesamten Jahres, auch während des Winters, wo der Stoffwechselhaushalt des Rehwildes nicht unnötig aktiviert werden sollte. Und genau dies sollte aus Tierschutzgründen, aber auch zur Vermeidung von Verbiss Schäden nicht passieren.

Durch die Zuwanderung des Schwarzwildes Mitte der 80er Jahre und dem Ansteigen der Fuchspopulation ist eine rückgängige Zuwachsrate beim Rehwild zu beobachten.

 

Hier haben wir Jäger es in der Hand. Eine effektive Prädatoren Bejagung aber auch scharfe Schwarzwildbejagung kommt dem Rehwild extrem zugute.

 

Die geänderte Landwirtschaft hat ebenso großen Einfluss auf unser Rehwild. Extreme Verluste bei den Kitzen durch immer größere und schnellere Mähmaschinen und fehlende Äsungsflächen durch exzessiven Maisanbau sind hier nur einige Beispiele.

Ein nächster, wichtiger Eingriff in unseren Rehwildbestand ist der Straßenverkehr. Durch ein immer dichteres Straßennetz und der Beunruhigung im Wald nimmt natürlich auch die Zahl der Wildunfälle zu. Aktuellen Statistiken zu Folge passieren in Deutschland täglich ca. 720 Wildunfälle. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Den Großteil davon machen Wildunfälle mit Rehwild aus.

Wäre unser Rehwild nicht so anpassungsfähig, könnten die Streckenzahlen der letzten Jahre mit jährlich über 1 Million erlegten Stück Rehe sicherlich nicht erreicht werden. Diese Anpassungsfähigkeit hat zur Folge, dass sich das Rehwild immer tiefer in die Wälder zurückzieht. Es drückt sich bei Beunruhigung durch kurze Fluchten in die nächste Dickung.

Dieses Verhalten hat natürlich auch Folgen für die Jagd. Die seit jeher praktizierte Ansitzjagd ist in vielen Revieren nur noch bedingt zielführend, um die Vorgaben der Abschusspläne zu erreichen. Das Wild verlässt aufgrund der vielen Störungen den Wald kaum mehr oder nur noch im Schutz der Dunkelheit. Das hat dann auch zur Folge, dass gewisse Reviere ohne entsprechenden Waldanteil jagdlich nicht mehr interessant und deshalb nur noch schwer verpachtbar sind. Dies vor allem, wenn die Staatsforsten noch Angrenzer sind.

In „normalen“ Revieren, die immer seltener werden, schlägt Dr. Michael Petrak zur Bejagung des Rehwildes folgendes vor:

Mai bis Mitte Juni:    Einzeljagd auf Böcke aller Altersklassen, da freiwerdende     

                                 Einstände jetzt noch von anderen Böcken besetzt werden.

                                 Später im Jahr sind diese abgewandert. Intensive Bejagung von

                                 Schmalrehen

 

Mitte Juni bis Mitte Juli:                Möglichst Jagdruhe

Mitte Juli bis Mitte August:           Einzeljagd auf Böcke

Mitte August bis Ende August:     Möglichst Jagdruhe

September bis Mitte Oktober:       Intensive Bejagung des weiblichen Wildes und der Kitze.

 

In dieser Zeit ist die Erfüllung des Abschusses durch noch hohe Aktivität  des weiblichen Wildes möglich.

 

Mitte Okt. Bis Mitte Nov.                 Möglichst Jagdruhe  (Laubabfall)

Mitte Nov. Bis Ende Dez:                Gesellschaftsjagden auf Rehwild, wenn der Abschuss noch nicht erfüllt ist. Danach sollte Jagdruhe herrschen.

 

Bei der Bejagung sollte beachtet werden, dass Familienverbunde möglichst komplett erlegt werden sollten. Kitze immer vor der Geis. Gesellschaftsjagden auf Rehwild, sorgfältig geplant und gut organisiert, sind in der Regel sehr effizient und können zur Verminderung des Jagddruckes beitragen. Richtig durchgeführt, vor allem auch zur richtigen Zeit (nicht in Notzeiten), sind sie auch tierschutz- und naturschutzkonform. Wichtig dabei ist, dass eine ortskundige Treibergruppe von 2-4 Personen in Verbindung mit kurzläufigen Hunden zum Einsatz kommen. Dadurch wied das Rehwild vorsichtig aufgemüdet, zieht vorsichtig und langsam vor Treibern und Hunden und kann sauber angesprochen und mit sauberen Schuss erlegt werden.

Solche Jagden sollten dort praktiziert werden, wo der Verbiss auf überschaubarer Fläche reduziert werden soll. Revierabhängig sollen die Jagden dem Wild die Möglichkeit bieten, sich in „ruhige, verbissunkritische“ Ecken zurückzuziehen . Wird, wie leider so oft bei den Staatsforsten der Fall, der gesamte Wald gedrückt, wird das Wild in die dichtesten Bestände gedrängt und sorgt dort für erhöhten Verbiss. Die dort praktizierten Jagdmethoden sind so gesehen absolut kontraproduktiv und fördern den Verbiss. Grundsätzlich gilt, dass bei der Bejagung alles zu vermeiden ist, was das Rehwild weiter in den dichten Bestand drängt. Die Rehe sollten da erlegt werden, wo der Verbiss reduziert werden soll, jedoch nicht auf den vor der Dickung liegenden Äsungsflächen. In Notzeiten und nach Dezember sollte unter normalen Umständen in den Revieren Jagdruhe herrschen. Der Stoffwechselhaushalt des Rehwildes soll im Winter nicht unnötig aktiviert werden.

 

Somit haben wir privaten Jäger es in der Hand, es besser zu machen. Eine angepasste Bejagung unter Berücksichtigung eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses wird den Verbissschaden auf einem vertretbaren Maß halten. Wenn dann die Jagd auch noch waidgerecht und Tierschutzkonform erfolgt, geben wir Jäger ein positives Bild in der Öffentlichkeit ab. Zerschossene Stücke, wie leider so oft auf Streckenplätzen zu sehen, sind keine Werbung für unsere Zunft. Wenn sich solch Bilder wie unten häufen, haben wir Jäger ein Qualitätsproblem!

Damit kommt auch noch eines der wertvollsten Lebensmittel, unser Wildbret in Verruf.

 

Klaus Teufel

 

Quelle: Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern e.V.

 Der Jagdschutz- und Jägerverein Bamberg

wurde am 23. April 1877 gegründet.

 

Zweck der Vereinsgründung war es, die Jagd geordneter und nachhaltig zu betreiben.

 Auszug aus damaliger Satzung:   Bamberger Jäger  - Damals!

 

 „Der Verein hat den Zweck, eine echt waidmännische Behandlung der Jagden anzustreben und hierdurch die Jagd selbst zu heben. Diesen Zweck sucht er zu erreichen: Durch strengste Verpflichtung seiner Mitglieder zum vollkommen waidmännischen Jagdbetrieb, zur genauen Einhaltung der Hegezeiten und zur gewissenhaften Beobachtung aller Vorschriften.

 

An diesen Forderungen hat sich im Kern bis heute nichts geändert. Auch knapp 140 Jahre nach dessen Gründung stehen die Mitglieder des Jagdschutz- und Jägervereins für die ordnungsgemäße und waidgerechte Jagdausübung. Die Verpflichtung zur Hege der im Jagdgesetz enthaltenen Wildarten wird damals wie heute ernst genommen – Jagd findet nachhaltig statt.

 Auszug aus heutiger Satzung.     Bamberger Jäger  - Heute!    

 

Die aktuelle Satzung des Jagdschutz- und Jägervereins, Kreisgruppe Bamberg im Landesjagdverband Bayern – Bayerischer Jagdverband e.V. nennt dementsprechend auch folgende wichtigste Vereinsaufgaben: Förderung des Natur- und Tierschutzes, des jagdlichen Brauchtums und der Umweltbildung, Schutz und Erhaltung einer den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen entsprechenden artenreichen und gesunden freilebenden Tierwelt.

 

Dafür stehen die Bamberger Jäger – damals wie heute!